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Konstruktive Klausur zur Zukunft der Imam- und Seelsorgearbeit in Österreich

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Im Anschluss an die Fachtagung zur Etablierung einer Imam- und Seelsorgeausbildung im Dezember 2024 setzte die Islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGÖ) mit einer internen Klausur am Montag, den 26. Jänner 2026, einen weiteren wichtigen Schritt im laufenden Entwicklungsprozess. Ziel war es, die fachlichen Überlegungen der Fachtagung wiederholt mit den praktischen Erfahrungen aus den Gemeinden zu verbinden und gemeinsam über zukünftige Rahmenbedingungen der Imam- und Seelsorgearbeit in Österreich zu beraten.

An der Klausur nahmen VertreterInnen aller Kultusgemeinden, zahlreiche Imame sowie WissenschafterInnen der Islamisch-theologischen Studien der Universitäten Wien und Innsbruck sowie des Instituts für Islamische Religion an der KPH Wien/Niederösterreich teil. Die wissenschaftlichen Vertreter begleiteten den Austausch als Diskutanten und Kommentatoren.

 

Offener Austausch im Mittelpunkt

Die Gespräche waren von einem offenen und konstruktiven Klima geprägt.

Deutlich wurde, dass die Weiterentwicklung des Imame-Amtes nicht isoliert betrachtet werden kann, sondern stets im Zusammenhang mit gesellschaftlichen Veränderungen und realen Herausforderungen in den Gemeinden steht. Imame übernehmen heute vielfältige Aufgaben; als religiöse Bezugspersonen, Seelsorger und Vermittler zwischen unterschiedlichen Lebenswelten und Perspektiven.

Diese Verantwortung erfordert deutliche Strukturen, realistische Erwartungen und tragfähige Rahmenbedingungen.

 

Perspektiven der Kultusgemeinden

Die VertreterInnen der Kultusgemeinden brachten zahlreiche Erfahrungen aus der Praxis ein.

Besonders hervorgehoben wurde die Bedeutung ausreichender Sprachkenntnisse für eine wirksame religiöse Arbeit sowie für den Dialog mit der Gesamtgesellschaft. Ebenso wurden finanzielle und organisatorische Rahmenbedingungen thematisiert, da Professionalität und Qualität eng mit stabilen Arbeitsverhältnissen verbunden sind.

Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der langfristigen Sicherung des geistlichen Nachwuchses.

Mehrfach wurde betont, dass eine Imame-Ausbildung in Österreich notwendig ist, um nachhaltige Strukturen aufzubauen. Neben der Erstausbildung wurden auch regelmäßige Fort- und Weiterbildungsangebote als unverzichtbarer Bestandteil religiöser Verantwortung genannt. Als zentrale Kompetenzfelder eines zeitgemäßen Imams wurden neben der theologischen Fundierung insbesondere sprachliche, soziale und digitale Fähigkeiten hervorgehoben.

 

Wissenschaftliche Einordnung

Die eingeladenen Wissenschafter brachten ihre fachliche Expertise in die Diskussion ein und betonten die Notwendigkeit einer klaren Definition des Berufsbildes. Imame seien zunehmend mit vielfältigen Erwartungen konfrontiert, die nicht von einer einzelnen Person allein getragen werden können.

Eine stärkere Aufgabenverteilung innerhalb der Gemeinden sowie eine differenzierte Betrachtung der Moscheelandschaft wurden als wichtige Ansatzpunkte genannt.

In diesem Zusammenhang wurde die Notwendigkeit einer strukturierten Kategorisierung der Moscheen in Österreich thematisiert. Diese weisen unterschiedliche Funktionen, Aufgabenprofile und Reichweiten auf und können daher nicht monolithisch betrachtet werden. Aus fachlicher Sicht wurde angeregt, künftig klarer zwischen Gebetsräumen mit begrenztem Angebot, regulären Moscheen mit kontinuierlicher Gemeindearbeit sowie Moscheen mit erweiterten Aufgaben in Predigtwesen, Seelsorge, Bildungsarbeit und öffentlicher Repräsentation zu unterscheiden.

Eine solche Differenzierung kann dazu beitragen, realistische Erwartungshaltungen zu entwickeln, Aufgaben und Qualifikationsanforderungen passgenauer zuzuordnen und Transparenz für Gemeinden, Imame und übergeordnete Strukturen zu schaffen. Zudem wurde betont, dass diese Einordnung auch für zukünftige Ausbildungs- und Fortbildungsmodelle von zentraler Bedeutung ist.

 

Stimmen der Imame

Die anwesenden Imame schilderten offen ihre Erfahrungen aus dem Gemeindealltag.

Thematisiert wurden unter anderem hohe zeitliche Belastungen, Fragen der Wertschätzung und Sichtbarkeit ihrer Arbeit sowie der mangelnde rechtliche Status und die Notwendigkeit einer klaren Berufsanerkennung. Besonders hervorgehoben wurden die großen Unterschiede in den finanziellen Rahmenbedingungen zwischen den Kultusgemeinden und die damit verbundene fehlende Planungssicherheit.

Aus Sicht der Imame besteht daher ein klarer Bedarf an transparenteren, einheitlicheren und langfristig tragfähigen Modellen unter dem Dach der IGGÖ. Neben der Erstausbildung wurde auch die Bedeutung kontinuierlicher Fort- und Weiterbildungsangebote betont, insbesondere in den Bereichen Sprache, Seelsorge, Kommunikation, Medienarbeit und gesellschaftliche Orientierung.

Mehrfach wurde zudem der Wunsch nach regelmäßigen Austauschformaten geäußert.

Kollegialer Austausch, fachliche Vernetzung und strukturierte Plattformen könnten dazu beitragen, Erfahrungen zu teilen, Herausforderungen gemeinsam zu reflektieren und Isolation im Berufsalltag zu vermeiden. Gleichzeitig wurde die Vielfalt innerhalb der muslimischen Gemeinschaft hervorgehoben und der gemeinsame Wille betont, das „Wir“ unter dem Dach der IGGÖ weiter zu stärken.

 

Ausblick und nächste Schritte

In seinen abschließenden Worten hob Präsident Vural die Bedeutung des offenen Austauschs hervor und bezeichnete die Klausur als wichtigen Meilenstein innerhalb eines längerfristigen Prozesses.

Die IGGÖ wird die eingebrachten Inhalte nun systematisch aufarbeiten. Bis zum Ende des Jahres sollen konkrete Ergebnisse vorliegen, darunter die Ausarbeitung eines zeitgemäßen Berufsprofils für Imame sowie die Klärung struktureller Rahmenbedingungen.

Zu diesem Zweck werden thematische Arbeitsgruppen eingerichtet, die gemeinsam mit den Kultusgemeinden und unter Einbindung wissenschaftlicher Expertise an nachhaltigen Lösungen arbeiten. Der weitere Prozess soll, wie bereits die Klausur selbst, von allen Gemeinden aktiv mitgetragen werden.

Mit der Klausur bekräftigt die IGGÖ ihre Verantwortung als Religionsgesellschaft, religiöse Praxis, gesellschaftliche Teilhabe und institutionelle Entwicklung in einem kontinuierlichen Dialog miteinander zu verbinden.

 

Presseaussendung vom 27. Jänner 2026

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