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Imsāk - Beginn des Morgengrauens

Theologische Grundlagen und astronomische Bestimmung der Fastenzeit und des Morgengebets.

Imsāk (Beginn des Morgengrauens)

Was ist Imsāk?

Der Begriff Imsāk bezeichnet den Beginn des Morgengrauens: den Zeitpunkt, ab dem das Fasten beginnt und das Morgengebet (Fadjr) einsetzen darf. Er markiert den Übergang von der Nacht zum Morgen in der islamischen Zeitrechnung.

Gebete und Fasten sind an bestimmte Zeiten gebunden. Diese Zeiten wurden von islamischen Gelehrten und Rechtsgelehrten auf Grundlage des Korans, der prophetischen Überlieferung (Sunnah) sowie astronomischer Erkenntnisse festgelegt. Maßgeblich sind dabei natürliche Himmelserscheinungen, die mit dem täglichen Lauf der Sonne zusammenhängen: Sonnenaufgang, Sonnenuntergang, Sonnenhöchststand, Morgengrauen (Fajr) und das Verschwinden des Abendrots.

Die koranische Grundlage

Die Bestimmung des Imsāk -Zeitpunktes gründet unmittelbar auf einem Vers des Korans:

وَكُلُوا وَاشْرَبُوا حَتَّىٰ يَتَبَيَّنَ لَكُمُ الْخَيْطُ الْأَبْيَضُ مِنَ الْخَيْطِ الْأَسْوَدِ مِنَ الْفَجْرِ ۖ ثُمَّ أَتِمُّوا الصِّيَامَ إِلَى اللَّيْلِ

Esset und trinket, bis sich für euch der weiße Faden vom schwarzen Faden des Morgengrauens unterscheidet. Dann haltet das Fasten vollständig bis zur Nacht.
(Sura al-Baqara (2), Vers 187)

Der Prophet Muhammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, erläuterte, dass „weißer Faden" und „schwarzer Faden" in diesem Vers bildlich gemeint sind: Der weiße Faden bezeichnet das erste Aufleuchten des Morgengrauens am Horizont, der schwarze Faden die Dunkelheit der Nacht.
Dieser Moment: wenn sich das erste waagerechte Lichtband im Osten vom nächtlichen Dunkel abhebt, ist der Beginn des Imsāk.

Die große Mehrheit der islamischen Gelehrten hat auf Grundlage dieses Verses festgelegt, dass der Imsāk mit dem ersten Erscheinen des Fajr as-Sādiq, des wahren Morgendämmers, beginnt.

Fajr al-Kādhib und Fajr as-Sādiq
(die zwei Morgendämmerungen)

Fajr al-Kādhib (Der falsche Morgen)

Fajr as-Sādiq (Der wahre Morgen)

Ein erstes, senkrechtes Lichtband, das kurz vor dem eigentlichen Morgengrauen für kurze Zeit sichtbar wird und danach wieder in Dunkelheit übergeht. Es hat im islamischen Recht keine Bedeutung für den Beginn von Fasten oder Gebet.

Das waagerechte, sich ausbreitende Lichtband am östlichen Horizont, das dauerhaft heller wird und in den Sonnenaufgang übergeht.
Dieser Moment ist der theologisch maßgebliche Beginn von Imsāk und Morgengebet.

Prophetische Überlieferung zur Gebetszeit

Zahlreiche Überlieferungen berichten, dass der Prophet das Morgengebet in der Zeit des Ghalas verrichtete - einer Bezeichnung für die Dunkelheit am Ende der Nacht, bevor das Morgengrauen vollständig eingesetzt hat. Überlieferungen berichten auch, dass die Gefährten des Propheten nach dem Gebet einander beim Verlassen der Moschee im Dunkeln kaum erkennen konnten oder einander erst nach mehrmaligem Hinsehen erkannten.

Auch wird berichtet, dass zwischen dem Ende des Suhūr (der letzten Mahlzeit vor dem Fasten) und dem Beginn des Morgengebets nur so viel Zeit verging, wie zum Rezitieren von etwa fünfzig Koranversen nötig ist. All dies bestätigt, dass der Imsāk unmittelbar mit dem ersten Erscheinen des Morgengrauens einsetzt und nicht erst, wenn der Himmel bereits deutlich aufgehellt ist.

Astronomische Entsprechung

Der Fajr as-Sādiq entspricht astronomisch dem Zeitpunkt, zu dem die Sonne 18 Grad unterhalb des Horizonts steht. Zu diesem Zeitpunkt wird das erste diffuse Licht des Morgens am östlichen Horizont sichtbar. Dieser Wert von 18 Grad wurde durch eigene Feldbeobachtungen des Wissenschaftlichen Ausschusses des Internationalen Kongresses zur Vereinheitlichung der Gebetszeiten (Istanbul 2021) bestätigt und als verbindlicher Berechnungswert beschlossen. Er entspricht auch der Definition, die von muslimischen Astronomen seit der Frühzeit des Islam verwendet wird und ist heute in den Kalendern islamischer Länder weltweit als Standard anerkannt.

An Orten mit extremen geografischen Breiten kann die Sonne den 18-Grad-Wert astronomisch nicht erreichen. In diesen Fällen wird ein anerkanntes Schätzverfahren (Takdīr) angewendet. Details dazu finden sich auf der Seite zur Gebetszeitenberechnung.

Meinungsverschiedenheiten unter Gelehrten

Während Zeiten wie Sonnenauf- und -untergang zweifelsfrei bestimmbar sind, ist die genaue Bestimmung des Morgengrauens und des Verschwindens des Abendrots von jeher Gegenstand gelehrter Diskussion. Der Grund liegt in der graduellen Natur dieser Lichterscheinungen, die eine eindeutige Grenzziehung schwierig macht. Daher unterscheiden sich die theologischen Rechtsschulen (Madhhab) in einigen Detailfragen; etwa ob 15, 17 oder 18 Grad als Berechnungsgrundlage gelten sollen.

Die IGGÖ folgt dem Beschluss des internationalen Gelehrtengremiums, dessen Mitglied sie ist,
und verwendet einheitlich den Wert von 18 Grad. Dieser gilt als die vorsichtigere und theologisch abgesichertere Festlegung (Ihtiyāt) und deckt sich mit der Praxis islamischer Länder weltweit.

Anwendung in den Gebetszeiten der IGGÖ

Der Imsāk-Zeitpunkt in den von der IGGÖ veröffentlichten Gebetszeiten basiert auf dem astronomischen Wert von 18 Grad unter dem Horizont (Fajr as-Sādiq) und entspricht dem Beschluss des Internationalen Kongresses zur Vereinheitlichung der Gebetszeiten (Istanbul 2021).

In Sommermonaten, wenn dieser Wert in Österreich astronomisch nicht erreicht wird, kommt das vereinbarte Schätzverfahren zur Anwendung. Auf diesen Zeitangaben gibt es keinen zusätzlichen Sicherheitsabzug (Temkin 0 Minuten).